Wissen über Gebäudeschadstoffe & häufig gestellte Fragen



Wissen

Asbesthaltige Faserzementplatten im Bereich der Attika

Asbest

Asbest ist ein natürlich vorkommendes Mineral mit faseriger Struktur. Es ist hitzebeständig, reißfest und chemisch sehr stabil – Eigenschaften, die es jahrzehntelang zu einem beliebten Zusatzstoff in Baumaterialien machten. Vor allem zwischen 1950 und 1990 wurde es in Dach- und Fassadenplatten, Bodenbelägen, Rohrisolierungen oder Putzen eingesetzt.

 

Die Kehrseite zeigt sich jedoch bei der Gesundheit: Werden asbesthaltige Materialien beschädigt oder bearbeitet, können winzige Fasern freigesetzt werden. Diese sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, gelangen beim Einatmen tief in die Lunge und können dort schwere Erkrankungen auslösen – von chronischen Lungenschäden (Asbestose) bis hin zu Krebs. Deshalb gilt Asbest inzwischen als einer der gefährlichsten Schadstoffe im Baubereich, dessen Umgang und Entsorgung streng geregelt ist.

 

Trotz einem Verbot in 1993 steigen aufgrund der langen Latenzzeit (vom Einatmen bis zum Krankheitsausbruch) von 30 Jahren oder mehr in Deutschland weiterhin die Krankenzahlen, die durch den Umgang mit Asbestfasern ausgelöst werden.

 

Wanddämmung (KMF) innerhalb einer Trockenbauwand aus Holz

Künstliche Mineralfasern

Künstliche Mineralfasern (KMF) umfassen Glas-, Stein- und Schlackenwolle. Diese Faserdämmstoffe wurden ab den 1960er-Jahren in großem Umfang eingesetzt, weil sie leicht, nicht brennbar und gut wärme- sowie schalldämmend sind. Vor allem in Dächern, (Trockenbau-)wänden, Fassaden, Zwischendecken und Leitungsisolierungen findet man sie bis heute.

 

Problematisch sind ältere Produkte, die vor dem Jahr 2000 hergestellt wurden. Damals konnten die Fasern lungengängig und damit gesundheitsschädlich sein. Beim Einatmen gelangen sie tief in die Atemwege und stehen im Verdacht, Krebs auszulösen. Neuere Mineralwollen sind dagegen als „biolöslich“ eingestuft und gelten als unbedenklicher.

 

Ob eine Dämmung riskant ist, hängt vom Herstellungsjahr und vom Zustand ab. Bröselige, staubende Matten oder Platten bergen ein höheres Risiko als unversehrte, fest eingebaute Materialien.

PCB

Polychlorierte Biphenyle, kurz PCB, sind eine Gruppe von Industriechemikalien, die ab den 1950er-Jahren vielseitig eingesetzt wurden. Sie sind farblose bis schwach gelbliche, ölige Flüssigkeiten oder feste Stoffe, die sich durch hohe chemische Stabilität, Hitzebeständigkeit und gute Isoliereigenschaften auszeichnen. Genau diese Eigenschaften machten sie attraktiv für zahlreiche Anwendungen.

 

In Gebäuden finden sich PCB vor allem in Fugenmassen, Dichtstoffen, Farben, Lacken, Kunststoffen oder auch in alten elektrischen Geräten wie Kondensatoren und Transformatoren. Besonders in Bauten aus den 1960er- bis 1980er-Jahren können PCB-haltige Materialien noch vorhanden sein.

 

Das Problem: PCB sind langlebig, reichern sich in der Umwelt und im menschlichen Körper an und gelten als gesundheits- und umweltschädlich. Sie können über die Raumluft, über Staub oder direkten Kontakt aufgenommen werden. Langfristig stehen sie im Verdacht, das Immunsystem, die Leber und das Hormonsystem zu schädigen und das Krebsrisiko zu erhöhen.

Teerhaltige Dachabdichtung auf einer Halle

PAK

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, sind eine Gruppe von organischen Verbindungen, die vor allem bei unvollständiger Verbrennung entstehen. Sie sind ölig, teerstämmig und zeichnen sich durch ihre hohe chemische Stabilität aus. Genau diese Eigenschaften führten dazu, dass PAK früher in vielen Bauprodukten eingesetzt wurden.

 

In Gebäuden finden sich PAK vor allem in Teerprodukten wie Dachpappen, (Parkett-)Klebern, Dichtmassen, schwarzen Anstrichen, (Guß-)Asphalt oder Beschichtungen. Besonders in Häusern aus den 1960er- bis 1980er-Jahren ist die Wahrscheinlichkeit hoch, auf PAK-haltige Materialien zu stoßen.

 

Das Problem: Viele PAK-Verbindungen sind gesundheitsschädlich und einige gelten als krebserzeugend. Sie können über Hautkontakt, Staub oder die Raumluft aufgenommen werden. Typisch ist ein intensiver, teerartiger Geruch, der auf eine Belastung hinweisen kann.

Holzschutzmittel

In den 1960er- bis 1980er-Jahren wurden Holzschutzmittel wie unteranderem Lindan (ein Insektizid) und PCP – Pentachlorphenol (ein Fungizid) häufig eingesetzt, um Dachstühle, Fachwerk, Holzverkleidungen oder auch Möbel vor Schädlingen und Pilzbefall zu schützen. Beide Stoffe galten damals als sehr wirksam, weil sie tief ins Holz eindringen und lange anhaltenden Schutz bieten.

 

Das Problem: Heute weiß man, dass viele alte Holzschutzmittel wie Lindan und PCP gesundheitsschädlich sind. Sie können über die Raumluft, über Staub oder direkten Hautkontakt aufgenommen werden. PCP steht im Verdacht, krebserzeugend zu sein, und Lindan kann das Nervensystem beeinträchtigen. Zudem können sich Abbauprodukte wie Dioxine bilden, die ebenfalls gefährlich sind.

HBCD

Hexabromcyclododecan, kurz HBCD, ist ein bromhaltiges Flammschutzmittel. Es wurde vor allem in Polystyrol-Dämmplatten (EPS, XPS) eingesetzt, um diese schwer entflammbar zu machen. Ab den 1960er-Jahren fand man HBCD-haltige Dämmstoffe häufig in Fassaden, Dächern und Kellerdecken sowie als Trittschalldämmung unter dem Estrich.

 

Das Problem: HBCD ist langlebig, reichert sich in der Umwelt und in Organismen an und gilt als gesundheits- und umweltschädlich. Es steht im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und die Entwicklung von Nervensystem und Stoffwechsel zu beeinflussen. Aufgrund dieser Risiken ist HBCD seit 2015 in der EU weitgehend verboten.

 

In Gebäuden kann HBCD vor allem dann relevant werden, wenn alte Dämmplatten entfernt oder entsorgt werden. Eine direkte Gesundheitsgefahr im eingebauten Zustand ist meist gering, doch bei Rückbau oder Sanierung können Partikel freigesetzt werden.

Formaldehyd

Formaldehyd ist eine farblose, stechend riechende Substanz, die seit den 1950er-Jahren in vielen Bau- und Einrichtungsprodukten eingesetzt wurde. Besonders häufig findet man es in Spanplatten, Möbeln, Holzwerkstoffen, Klebern, Lacken und Textilien. Der Grund: Formaldehyd härtet Kunstharze aus und macht Materialien stabil und langlebig.

 

Das Problem: Formaldehyd gast über lange Zeiträume aus den Materialien aus und gelangt so in die Raumluft. Schon in geringen Mengen kann es Augen, Haut und Atemwege reizen. Bei höheren oder dauerhaften Belastungen steht es im Verdacht, krebserzeugend zu sein. Besonders in schlecht belüfteten Räumen können die Konzentrationen kritisch werden.

PCB-haltige, mehrschichtige Wandfarbe

Häufig gestellte Fragen

Welche Schadstoffe treten typischerweise in Bestandsgebäuden auf?

Zu den typischen Schadstoffen in Gebäuden zählen vor allem die nachfolgend aufgelisteten Stoffe und ihre üblichen Anwendungsbereiche. Die Liste könnte noch um viele weitere Stoffe und Anwendungsbereiche erweitert werden:

  • Asbest - Faserzementplatten, Putze, Spachtelmassen, (Fliesen-)kleber, Farben, Fensterkitt, Dichtungen, Estrich, Dämmung
  • KMF/Alte Mineralwolle - Rohr-, Wand- und Deckendämmung, Akustikplatten in abgehängten Decken 
  • PAK - Dach- und Wandabdichtungen (Dachpappe/schwarzer Anstrich), Parkettkleber
  • PCB - Farben und Lacke, Starter bei alten Leuchtstoffröhren
  • Holzschutzmittel - Konstruktionsholz und generell Holz im Außenbereich

 

Wie erkenne ich, ob Gefahr besteht?

Schadstoffe sind mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Daher bestimmen Experten den Befund durch eine Kombination aus historischer Untersuchung, visueller Sichtung und Laboranalysen, um Art, Vorkommen und Konzentration festzustellen. 

 

Viele Schadstoffe sind in Baumaterialien jedoch fest eingebunden oder überbaut, sodass kein direkter Kontakt besteht. Sanierung- oder Rückbaumaßnahmen setzen die Schadstoffe allerdings frei und erhöhen dadurch die Gefährdung erheblich.

Daher empfiehlt sich neben der frühzeitigen Schadstoffuntersuchung, belastete Baumaterialien so lange wie möglich im Ursprungszustand zu belassen. Bereits freiliegende oder beschädigte Schadstoffe können die Raumluft dauerhaft belasten und eine Nutzung der betroffenen Räume einschränken, weshalb zu sofortigem Handeln geraten wird.

 

 

 

Wie läuft die Untersuchung ab und wie lange dauert es bis zur Vorlage der Ergebnisse?

Nachfolgend ist der ungefähre Ablauf einer Untersuchung vom Erstkontakt bis zur Vorlage der Ergebnisse chronologisch dargestellt:

  1. Erstkontakt (persönlich, Telefon, E-Mail) zur Abschätzung des ungefähr notwendigen Untersuchungsumfangs
  2. Erstellung eines Angebots bzw. Kostenvoranschlags sowie Beantwortung von Rückfragen bis zur Auftragserteilung
  3. Gemeinsame Festlegung des genauen Untersuchungsumfangs vor Ort mit anschließender Probenahme
  4. Übergabe der Proben ans Labor und Dokumentation der Probenahme
  5. Erhalt sowie Auswertung der Laborergebnisse
  6. Übergabe der digitalen Unterlagen an den Auftraggeber

Die Ergebnisse für wenige Proben bspw. für eine anstehende Badsanierung liegen innerhalb weniger Tage vor. 

Bei umfangreicheren Untersuchungen z.B. für den Abbruch eines gesamten Einfamilienhauses sollten 2-3 Wochen eingeplant werden.

 

 

Mit was für Kosten ist zu rechen?

Die Kosten liegen in der Regel im mittleren dreistelligen bis unteren vierstelligen Bereich. Sie setzen sich aus der eigentlichen Untersuchung der Proben und der anschließenden Auswertung zusammen. Der genaue Preis hängt vor allem von der Größe des Objekts und der Anzahl der benötigten Proben ab.

 

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.